Das menschliche Gehirn ist zu großen Leistungen fähig. Zu den bemerkenswertesten Fähigkeiten gehört, dass unser Gehirn in der Lage ist den teilweisen oder sogar vollständigen Ausfall des Gleichgewichtsorgans auszugleichen. Diese Fähigkeit bezeichnet man als zentral-vestibuläre Kompensation.

Je besser unser Gehirn lernt lediglich korrekte Informationen zu verarbeiten und falsche Sinneseindrücke zu ignorieren desto besser funktioniert unser Gleichgewicht. Durch Gleichgewichtstraining können diese Kompensationsprozesse gezielt unterstützt werden.

Hier greift EQUIFit ein: Das Biofeedback öffnet dem Benutzer einen bewussten Zugang zur Verbindung von Gleichgewicht und Tiefensensibilität. Mit dieser auch als propriozeptives System bezeichneten komplexen Sinneswahrnehmung übermittelt unser Körper Position und Bewegung unserer Gliedmaßen an das Gehirn. Dadurch wissen wir beispielsweise wo unsere Füße unter dem Tisch stehen, auch wenn wir sie nicht sehen können.

EQUIFit erfasst durch seine Position direkt am Kopf die Informationen, die sonst unser Innenohr erfasst: Die relative Position des Kopfes und seine Bewegungen. Weicht der Anwender von der Gleichgewichtslage ab erhält er von EQUIFit ein akustisches Feedback über Raumklang und kann sich so gezielt wieder in die Gleichgewichtslage bringen. Durch regelmäßiges Training lernen diese anderen am Gleichgewicht beteiligten Sinne nun diese Position zu bestimmen– der Schwindel verschwindet.

Abgrenzung zu anderen Systemen: Was macht EQUIFit aus?

Bestehende Trainingsprogramme lassen sich grundsätzlich in physiotherapeutische Verfahren und Biofeedback-Verfahren unterteilen. Erstere trainieren die Gleichgewichtsregulation nur sehr unspezifisch. Die bisher verfügbaren Biofeedbackverfahren haben einige Nachteile:

  • Sie eignen sich aufgrund der hohen Kosten von mehreren Tausend Euro nicht für die Heimanwendung.
  • Das Training muss mit offenen Augen absolviert werden (z. B. beim Training auf einer sog. Posturographie-Platte) was den Effekt deutlich verringert.
  • Es werden unphysiologische Messpunkte verwendet. D. h. die Messung beispielsweise über ein am Gürtel getragenes System erfasst nicht die durch den Ausfall des Gleichgewichtsorgans fehlenden Sinneseindrücke. Diese sind für unser Gehirn wesentlich schwerer sinnvoll zu interpretieren und das Training ist weniger effektiv.
  • Es werden unphysiologische Feedbackreize genutzt. D. h. Feedbackreize, die nicht natürlicherweise mit dem Gleichgewicht in Zusammenhang stehen. Auch diese sind wiederum für unser Gehirn wesentlich schwerer sinnvoll zu interpretieren und das Training ist weniger effektiv.

Mit EQUIFit steht erstmals ein Verfahren zur Verfügung, dass die Vorteile von Biofeedbackverfahren mit physiologischen Messpunkten am Kopf und einem akustischen Feedback kombiniert:

  • Das Gehör ist eng an das Gleichgewichtssystem angebunden und weist physiologische Schnittstellen auf. Dadurch ist akustisches Feedback für unser Gehirn leicht zu interpretieren.
  • Das akustische Feedback ertönt aus der Richtung in die sich der Betroffene neigt. Dadurch können unmittelbare Reflexe antrainiert werden, d. h. Betroffene reagieren bei regelmäßigem Training wieder zunehmend automatisch richtig.
  • Das Training mit mal offenen und mal geschlossenen Augen schützt vor optischer Kompensation. Unsere Augen sind zwar auch beim gesunden Menschen am Gleichgewicht beteiligt, trotzdem kommen wir mit geschlossenen Augen (bspw. beim Haare waschen) nicht sofort ins Wanken. Ist der Anteil unserer Augen am Gleichgewicht jedoch zu groß, reichen oftmals schon leicht eingeschränkte Sichtverhältnisse aus um Schwindelattacken auszulösen.
  • Darüber hinaus ist EQUIFit auch für Endanwender erschwinglich und ermöglicht so regelmäßiges Training in den eigenen vier Wänden.
Quellen

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